Vor einem Vierteljahrhundert kam der Leipziger Kunstmaler Walfried Posse ins Verlagshaus der
Frankfurter Verlagsgruppe, um sein heiter-vergnügliches Künstlerbuch „Posseleien“ zu veröffentlichen. Es war der Beginn meiner Freundschaft mit dem freischaffenden Geist, der sich auch nicht von den Grenzen der Malerkunst am Zugreifen auf die Wirklichkeit behindern ließ. Kleine dreidimensionale, doppelbödige Installationen, seine atemberaubend schöne Kalligraphie, sein Witz, der das Wort zum Kaleidoskop ineinanderstürzender Bedeutungen erhob – alles das war und ist Können, also richtige, echte Kunst, die dem Betrachter etwas zu sagen hat. Walfried Posse hat sich nicht hinter willkürlicher Abstraktion und dem angeblichen Subjektivismus des Betrachters verschanzt. Der immer bescheidene Mann, der mit seinem Schaffen kein Vermögen verdient hat und in der Öffentlichkeit im Schatten seiner kerzenmalenden und klecksenden Kollegen stand, hat der Welt die Lichter angezündet, die sie braucht.
Doch seine große Liebe war und blieb die Malerei. In seinen Bildern zeigt er im Einzelnen, das austauschbar wäre, das Größere, den Zusammenhang, in dem wir unser Wesen kundtun. Im menschenleeren unscharfen Häuserensemble tritt ein einzelnes Haus hervor, die Tür, die das Drinnen vom Draußen trennt und uns in der technisierten Moderne die Unbehaustheit unserer Existenz vor Augen stellt. Schlagartig wird mir bewusst, wie sehr ich des Geschütztseins bedarf, um alles abzulegen und mich selbst entbergen zu dürfen.
Aber Professor Posse war auch ein Fuchs. Er hat über die Menschen Bescheid gewusst. Das ging nicht anders, denn sein eigentliches Thema, die Frage hinter allen gemalten Antworten, war, was der Mensch trotz seiner Schwächen sein kann. Hätte ich ihn gefragt, ob nicht die wahre Majestät des Menschen ist, Mensch zu sein, er hätte zugestimmt. Da war hohes Ethos und eine Liebe, von denen seine Werke leuchten und die diejenigen, die ihm nahestanden, nun zum Weiterleben bereitmacht.
London, am 31. August 2026
Dr. Prinz von Hohenzollern
