Das vierte globale Korallenbleiche-Ereignis ist nach Einschätzung der US-Ozeanbehörde 2025 wahrscheinlich zu Ende gegangen. Gemeint ist die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Behörde für Ozean und Atmosphäre der Vereinigten Staaten. Das hat das Programm Coral Reef Watch der NOAA am 2. Juni 2026 in einem Statusbericht mitgeteilt. Vom 1. Januar 2023 bis zum 30. September 2025 war laut Coral Reef Watch rund 84,4 Prozent der weltweiten Korallenriff-Fläche einem Hitzestress ausgesetzt, der Bleiche auslöst. Bei der Korallenbleiche stoßen Korallen unter zu warmem Wasser die Algen ab, die in ihrem Gewebe leben und sie ernähren. Wie empfindlich solche Tiere auch im Heimaquarium auf Temperatur und Wasserwerte reagieren, zeigt die Pflegeanleitung für die pulsierende Xenia-Koralle des Fachportals der Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen.
Massenbleiche ist nach den NOAA-Angaben in mindestens 83 Ländern und Gebieten dokumentiert worden. Im November 2026, kurz vor dem Sommer auf der Südhalbkugel, richtet sich der Blick der Riffforschung auf die nächste warme Jahreszeit.
Wodurch sich das vierte globale Ereignis von den früheren unterscheidet
Die NOAA hatte das vierte globale Bleiche-Ereignis am 15. April 2024 gemeinsam mit der Internationalen Korallenriff-Initiative bestätigt. Es ist laut Coral Reef Watch das bislang größte. Der vorherige Rekord stammte aus dem dritten globalen Ereignis der Jahre 2014 bis 2017, als 68,2 Prozent der Riffflächen bleicheauslösendem Hitzestress ausgesetzt waren. Das erste und das zweite globale Ereignis fielen in die Jahre 1998 und 2010.
Gegenüber dem dritten Ereignis ist die betroffene Riff-Fläche damit um rund 16 Prozentpunkte gewachsen. Nach den Prognosen, die Coral Reef Watch anführt, könnte es selbst in vorsichtigen Szenarien bis 2050 auf der Mehrheit der Riffe weltweit jährlich zu Massenbleiche kommen.
„Wer ein Meerwasseraquarium betreibt, hält ein Stück Riff in der eigenen Wohnung und merkt dort schnell, wie wenig Spielraum Korallen bei der Temperatur haben. Die Bilanz der NOAA zeigt denselben Zusammenhang im Maßstab der Ozeane. Für die Aquaristik spricht das dafür, Korallen aus Nachzucht zu bevorzugen und das Wissen über ihre Pflege weiterzugeben“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Die Satellitenprodukte der Coral Reef Watch messen die über Wochen aufsummierte Wärmebelastung eines Riffs. In den höchsten Warnstufen kann diese Belastung nach Angaben der Behörde zum Absterben mehrerer Arten bis hin zu nahezu allen Korallen eines Riffs führen. Warum schon wenige Grad über dem Sollwert auch im Aquarium Stress auslösen, erklärt der Leitfaden zur richtigen Aquarium-Temperatur.
Welche Gefährdung die Rote Liste der Weltnaturschutzunion für riffbildende Korallen festhält
Die Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) hat am 13. November 2024 in Baku während der Weltklimakonferenz eine globale Neubewertung der riffbildenden Warmwasserkorallen vorgelegt. Nach dieser Bewertung galten 44 Prozent der 892 bewerteten Arten als gefährdet. Bei der letzten Bewertung im Jahr 2008 war es rund ein Drittel. Als Bedrohungen nennt die IUCN in ihrer Mitteilung:
den Klimawandel mit schweren Bleiche-Ereignissen als Hauptursache
Verschmutzung des Wassers
Abschwemmungen aus der Landwirtschaft
Krankheiten der Korallen
nicht nachhaltige Fischerei
In der Karibik stufte die IUCN-Bewertung von 2024 die Hirschgeweihkoralle und die Elchgeweihkoralle als vom Aussterben bedroht ein. Beide Arten haben durch Erwärmung, Wasserverschmutzung, Wirbelstürme und Krankheiten stark abgenommen.
Was Meerwasseraquarianer aus der Bilanz für die kommende Saison mitnehmen
Für die Meerwasseraquaristik lässt sich daraus ein praktischer Maßstab ableiten. Korallen aus Nachzucht, also Ableger aus bestehenden Aquarien und Zuchtanlagen, kommen ohne Entnahme aus einem Riff aus. Stabile Temperatur, eine zuverlässige Regelung des Heizstabs und eine Kühlung für heiße Sommertage gehören zu den Grundlagen eines Riffaquariums. Die NOAA sammelt für ihre Auswertungen weiterhin Beobachtungen aus aller Welt, auch Meldungen über Riffe ohne Bleiche. Laut IUCN empfehlen die Gutachter zudem mehr Forschung dazu, ob und wie sich Korallen an wärmeres Wasser anpassen können; bislang gibt es dafür nur begrenzte Belege.
Ob sich die Riffe erholen, zeigen die kommenden Sommer der Südhalbkugel
Mit dem wahrscheinlichen Ende des vierten Ereignisses beginnt für die Riffe eine Phase, in der sich zeigt, wie viel sie von der Hitze der Jahre 2023 bis 2025 verkraftet haben. Coral Reef Watch veröffentlicht seine Hitzestress-Daten täglich; weitere Statusberichte werden zeigen, ob die Warnstufen in der warmen Jahreszeit 2026/2027 wieder steigen. Für Meerwasseraquarianer bleibt die Lehre aus dem Riff dieselbe wie im eigenen Becken: Wenige Grad über dem gewohnten Wert entscheiden über die Gesundheit der Korallen.
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